Fischers Lust statt Anglers Frust Fliegenfischen im Herz der Eifel
Fischers Lust statt Anglers FrustFliegenfischen im Herz der Eifel

Die netten Monster aus der Urft

Anglern wird seit Urzeiten ein freizügiger Umgang mit Tatsachen zugeschrieben. Bei Politikern ist diese liebenswürdige, augenzwinkernde Art allerdings zu einer hässlichen Mode verkommen: das Verdrehen und Zurechtbiegen von Fakten. Aber dies ist kein alternativer Fakt und auch kein  Anglerlatein: Bei gewaltigen 84 Zentimetern steht der Rekord für den größten Fisch, den wir je gefangen haben. Nicht irgendwo in Slowenien, Norwegen oder Kanada, sondern bei uns in dem kleinen Eifel-Flüsschen Urft. Und das nicht vor Urzeiten, sondern im Jahr 2016. Mehr als beachtlich sind auch dokumentierte Fänge von 68 Zentimetern und in den Fünfzigern im selben Jahr.

 

Damit reichen wir an Längenmaße heran, wie wir sie bei Lachsen kennen. Sollten sich womöglich einige inzwischen in die Urft verirrt haben? Immerhin sind Lachse an Rhein und Maas sowie an einigen ihrer Nebenflüsse wieder angesiedelt worden. So sehr diese Vorstellung berauscht: Doch in der Urft werden Lachse höchstwahrscheinlich nie ankommen. Für Wanderfische wie Lachs und Aal bilden der Urft- und der Rur-Stausee unüberwindbare Barrieren.

 

Doch wir haben bei uns ja die Forelle. Das ist unser Eifel-Lachs. Der Name ist Programm: kein Trostpflaster, vielmehr Adelsprädikat. Die Forelle reicht nicht nur hinsichtlich der Größe an den Lachs heran. Sie kämpft auch ebenso kraftvoll und ausdauernd wie dieser legendäre Fisch, be-

vor der zu der weiten Wanderung vom Meer zurück in seinen Heimatfluss aufbricht. Während allerdings der Pazifische Lachs nach seiner Tausende Kilometer langen Reise am Geburtsort mit letzter Kraft laicht, dann ausgezehrt verendet und letztendlich als Leiche herumtreibt, haust dagegen unser Eifel-Lachs lebenslang quick-lebendig in der Urft. Wahrlich ein Prachtkerl,  freut sich der Fliegenfischer.

 

Bei uns in der Urft leben zwei Arten Eifel-Lachse: die Bach- sowie die Regenbogenforelle. Sie stellen den Großteil der Fisch-Armada. Außerdem fühlen sich Saibling und Äschen im Eifel-Gewässer sehr wohl. Neunaugen und Koppen komplettieren das Fischvorkommen.

 

Leider leiden die Äschen seit einigen Jahren unter dramatischer Schwindsucht, so dass wir uns bereits gezwungen sahen, sie ganzjährig zu schonen. Ursache dieses Verlusts ist wohl die auch in der Eifel überhand nehmende Zahl des gefräßigen Fischräubers Kormoran. Ohne natürlichen Feind wächst der Bestand dieser Krähenvögel exponentiell.

 

Um das ökologische Gleichgewicht wieder-herzustellen, bedarf es dringend der Ansiedlung von Uhus. Die fressen nämlich Kormoran-Eier - und würden so den Bestand der Kormorane auf natürliche Weise regulieren und den Fisch-reichtum in der Eifel sichern.

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© Erhard Fett